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Präsentation der Chronik "50 Jahre Freundschaft Marigny-Sindeldorf"

Präsentation der Chronik „50 Jahre Freundschaft Marigny – Sindeldorf“
anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten in Marigny am 01.August 2009
durch Hubert Humm und Andreas Humm
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Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde !
Wir feiern an diesem Wochenende das 50-jährige Jubiläum der Freundschaft zwischen Marigny
und Sindeldorf. Dieses Jubiläum war für uns beide Anlass, die Entstehung und Entwicklung dieser
Freundschaft nachzuzeichnen und zu dokumentieren. Denn wir sind der Ansicht, dass diese
wunderbare Verbindung zwischen den beiden Gemeinden es wert ist, schriftlich festgehalten zu
werden.
Das Ergebnis ist dieses kleine Buch mit dem Titel:“ 50 Jahre Freundschaft der Herzen. Die Geschichte
der deutsch-französischen Freundschaft zwischen Marigny-St.Marcel und Sindeldorf“
Es war für uns sehr interessant, in die Vergangenheit einzutauchen und die alten Bilder, Briefe
und Dokumente zu sichten und auszuwerten. Dabei kamen viele schöne Erinnerungen hoch, aber
auch Erinnerungen an traurige Stunden.
Die Chronik ist in deutscher und französischer Sprache geschrieben und mit vielen Bildern gespickt.
Im Hauptteil der Chronik haben wir die Entwicklung der Freundschaft im zeitlichen Ablauf
dargestellt; angefangen von der Kriegsgefangenschaft von Willy Humm im Jahre 1946/47,
über den ersten Besuch des Sindeldorfer Gesangvereins im Jahre 1959 in Marigny bis zum Jubiläumsjahr
2009. Dazwischen liegen viele Treffen und Begegnungen in größerem und kleinerem
Rahmen, über die ebenfalls berichtet wird.
Zwei Zeitzeugen waren so nett, einen Kurzbeitrag zu verfassen. So hat Thérèse Pfister (geb.
Thomé) einige Erinnerungen niedergeschrieben, wie sie als Kind die Zeit erlebte, als der deutsche
Kriegsgefangene auf dem Bauernhof ihrer Familie war. Und Jean Tissot, der langjährige Bürgermeister
von Marigny, schildert seine Eindrücke und Erlebnisse von der Freundschaft zwischen
Marigny und Sindeldorf.
Nachdem wir uns intensiv mit der Entstehung dieser Verbindung befasst haben, wollen wir aus
Anlass des Jubiläums einen kurzen Blick auf den Ursprung der Freundschaft werfen:
Zwischen Deutschland und Frankreich bestand über Jahrhunderte eine Rivalität um die Vorherrschaft
auf dem europäischen Kontinent. Diese Rivalität führte zu einer „Erbfeindschaft“, die in
vielen kriegerischen Auseinandersetzungen zum Ausdruck kam. Nach der Besetzung von Teilen
Frankreichs durch die deutsche Armee im Jahr 1940 und den Repressalien und Grausamkeiten
während der vierjährigen Besatzungszeit ist es nicht verwunderlich, dass am Ende des zweiten
Weltkrieges in der französischen Bevölkerung eine hasserfüllte deutschfeindliche Stimmung vorherrscht.
In dieser Situation kommt ein deutscher Soldat im Jahr 1946 auf einen französischen Bauernhof,
wo er als Kriegsgefangener arbeiten muss. Der französische Bauer war als Soldat im ersten Weltkrieg
selbst durch einen deutschen Gasangriff verletzt worden. Es wäre also durchaus nachvollziehbar,
wenn der deutsche Kriegsgefangene nun schlecht behandelt würde.
Doch es kommt anders: Die Bauernfamilie und der Ortspfarrer sind nicht in den alten Denkmustern
von Hass, Rache und Vergeltung gefangen. Sie erkennen, dass es so wie bisher nicht weiter2
gehen kann. Sie haben gewiss auch ihre Vorbehalte und Ressentiments gegen die Deutschen im
Allgemeinen, übertragen diese aber nicht auf den unter ihrer Obhut stehenden und ihnen „ausgelieferten“
deutschen Kriegsgefangenen. Vielmehr sind sie bereit, den Fremden als Mitmenschen
anzunehmen. Sie begegnen ihm mit Achtung und Toleranz und geben ihm sogar die Möglichkeit,
ihre Wertschätzung, ja sogar ihre Freundschaft zu erwerben. Trotz der allgemeinen antideutschen
Stimmung wird der Kriegsgefangene von Anfang an anständig und menschlich behandelt. Diese
Haltung verdient noch heute unseren Respekt.
In dieser Toleranz und Mitmenschlichkeit liegt zugleich der Kern und Ursprung der heutigen
Freundschaft! Denn der deutsche Kriegsgefangene wäre nach seiner Entlassung sicherlich nicht
mehr nach Frankreich zurückgekehrt, wenn er dort nicht gut behandelt worden wäre. So aber
konnte sich trotz Hass und jahrhundertlanger „Erbfeindschaft“ zwischen Deutschland und Frankreich
aus der Kriegsgefangenschaft eines deutschen Soldaten eine lebendige Freundschaft zwischen
einer deutschen und einer französischen Gemeinde entwickeln.
Als Zeichen unseres Dankes widmen wir diese Chronik den Begründern der Freundschaft, nämlich
Herrn Pfarrer Jean du Noyer de Lescheraine, der Familie Léon Thomé und Herrn Willy
Humm.
Schließlich bedanken wir uns bei allen, die uns bei der Erstellung der Chronik mit Rat und Tat in
vielfältiger Weise unterstützt haben, zum Beispiel bei der Suche und Auswahl der Bilder, bei der
graphischen Gestaltung, bei den Schreibarbeiten sowie beim Korrekturlesen der französischen
Übersetzung.
Wir dürfen nun folgende Personen bitten, zu uns zu kommen:
- Madame Christelle Giroud, Präsidentin des Comité de Fêtes von Marigny,
- Monsieur Jean-Marc Pelcé, Bürgermeister der Gemeinde Marigny-St.Marcel
- Herrn Herbert Göker, Vorsitzender des Freundeskreises Sindeldorf-Marigny,
- Frau Ulrike Zeller, Ortsvorsteherin von Sindeldorf und
- Frau Patricia Filz, Bürgermeisterin der Gemeinde Schöntal.
Wir freuen uns, Ihnen ein Exemplar der Chronik überreichen zu dürfen und wünschen Ihnen eine
interessante Lektüre. Wir sind zuversichtlich, dass es mit der Hilfe und Unterstützung von Ihnen
und Ihren Nachfolgern in ferner Zukunft vielleicht einmal eine zweite Chronik geben wird, die
dann über 100 Jahre Freundschaft zwischen Marigny und Sindeldorf berichten kann.
Es lebe die Freundschaft zwischen Marigny und Sindeldorf!
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